Stärkung des Synodalen Weges und der Erneuerung der Kirche

Sep 19, 2022
Mit Bestürzung haben wir die Ereignisse am Eröffnungstag der vierten Synodalversammlung in Frankfurt am 8. Sept. 2022 nachverfolgt. Auf der Tagesordnung stand ein Grundlagentext zur Neubewertung der Sexualethik.

Hierin wird unter anderen eine Neubewertung des Geschlechtsverkehrs innerhalb der Ehe gefordert. Nach aktueller kirchlicher Lehre ist Sex lediglich innerhalb der Ehe und zur Zeugung von Kindern erlaubt. Dies entspricht nicht der Lebenswirklichkeit der Menschen. Ebenso fordert das Papier die Neubewertung von Homosexualität unter Berücksichtigung der aktuellen wissenschaftlichen Forschung. Nach zweijähriger Vorarbeit und vielfältigen Möglichkeiten der Beteiligung erreichte dieser Grundlagentext unter dem Titel "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" in der Zweiten Lesung nicht die erforderliche 2/3 Mehrheit der Bischöfe, über 80% der Synodalvertreter*innen hingegen sprachen sich dafür aus. Besonders erschreckend ist, dass dies im Vorfeld der Diskussion nicht absehbar war. Es hatten sich lediglich drei Bischöfe dahingehend geäußert, dem Papier nicht zustimmen zu können.

 

Eine solche Versammlungs- und Diskussionskultur ist dem Kolpingwerk DV Köln fremd. Bedenken werden rechtzeitig und hörbar formuliert, damit gemeinsam nach Lösungen gesucht werden kann, so arbeiten die Mitglieder des Kolpingwerks seit Jahrzehnten auf allen Ebenen und in den vielfältigen Vorständen und Gremien. Als Kolpingwerk sind wir erschüttert, dass diese Grundlagen im gemeinsamen Ringen um mehrheitsfähige Lösungen nicht erfolgt ist.

Trotz diesen Eklats entschieden die Synodalvertreter*innen weiter zu tagen. So konnten andere wichtige Themen wie z.B. der Grundlagentext zu "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche", der kirchlichen „Grundordnung“ (wichtig für Arbeitnehmer*innen der Katholischen Kirche), "Priesterliche Existenz heute" (darunter fällt auch der Pflichtzölibat) beraten und beschlossen werden. Ebenfalls die erforderliche Mehrheit bekam das Papier: "Synodalität nachhaltig stärken: Ein Synodaler Rat für die katholische Kirche in Deutschland", soll künftig Grundsatzentscheidungen von überdiözesaner Bedeutung zu pastoralen Planungen, Zukunftsfragen und Haushaltsangelegenheiten der Kirche, die nicht auf diözesaner Ebene entschieden werden, beraten und treffen.

Erfreut und dankbar nimmt das Kolpingwerk DV Köln zur Kenntnis, dass sowohl die Geistliche Leiterin des Kolpingwerks Deutschland, Rosalia Walter als auch der ehemalige Kolping Bundespräses und jetzige Weihbischof in Paderborn Josef Holtkotte allen Texten zugestimmt haben sowie die Bundesleiterin der Kolpingjugend Michaela Brönner. Dass alle Kölner Bischöfe – der Erzbischof und die drei Weihbischöfe dem ersten Grundlagentext nicht zugestimmt haben und damit an der fehlenden 2/3 Mehrheit beteiligt waren, macht uns sehr traurig. Teilweise haben die Kölner auch anderen Texten nicht zugestimmt, damit ist unser Bistum wieder mehr in die negativen Schlagzeilen geraten.

Der genaue Wortlaut der Dokumente und Beschlüsse, sowie die Veröffentlichung der namentlichen Abstimmungen lassen sich hier achlesen.

Als Kolpinggeschwister wollen wir auch zukünftig in und mit der katholischen Kirche glauben und leben. Deshalb danken und bestärken wir ausdrücklich die Synodalvertreter*innen auf diesem Reformweg.

Der Vorstand des Kolpingwerkes Köln

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