Kolpingsfamilie Barmen: "Hier ist jeder willkommen"

Wed Nov 21 09:16:23 CET 2018
"Wir sind offen für soziale Themen, Bildungsarbeit, aber auch für Geselligkeit". sagt Klaus Wigand. Und Lothar Dröse betont: "Die Kolpingsfamilie Barmen ist offen für alle, die miteinander im Glauben, Bildung, sozialer-gesellschaftlicher Vertretung und Geselligkeit wirken wollen." Dröse (67) ist der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Barmen, und Wigand (66) sein Vorgänger im Amt und jetzt Beisitzer im Vorstand.

Das Kolpinghaus in Barmen ist der Treffpunkt für die Kolpingsfamilie. Hier gibt es einen großen Saal, der für die Versammlungen, aber auch für die Geselligkeit genutzt wird. „Die Karnevalsveranstaltungen unserer Kolpingsfamilie waren früher beliebt und berühmt”, erzählt Lothar Dröse und schmunzelt: Bei einer dieser Veranstaltungen hat er seine Frau Beate als Funkenmariechen kennengelernt. Das war 1971, und drei Jahre später wurde geheiratet. 1974 traten Beide dann in die Kolpingsfamilie ein, in der ihre Eltern schon lange aktiv waren. „Wenn man Kolping lebt, ist man hier zuhause”, versichert Lothar Dröse. „Man bekommt nicht nur Kontakte in Deutschland, sondern in die ganze Welt.” Wichtig ist den beiden Kolpingbrüdern aber auch: „Kolping leistet nicht einfach Hilfe, sondern gibt Hilfe zur Selbsthilfe!” So gehe es auch bei Projekten in Entwicklungsländern darum, die Menschen dabei zu unterstützen, dass sie sich nachhaltig selbst helfen können.

Zusammen mit der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) bietet die Kolpingsfamilie Barmen jeden Donnerstag um 18 Uhr auch einen offenen Treff für Flüchtlinge. Seit November 2015 haben die beiden Katholischen Verbände diesen Treff eingerichtet, und nach wie vor gibt es Zulauf. „Es kommen Menschen, die Unterstützung brauchen, ob es nun um das Erlernen der deutschen Sprache geht oder Praktikums- oder Arbeitsstellen gesucht werden. Kolping und KAB helfen gerne. Hier ist jeder willkommen”, erklärt Klaus Wigand. „Regelmäßig kommen bis zu zehn Flüchtlinge, aber es waren auch schon zwanzig Teilnehmer. Insgesamt haben wir in unserer Treffgruppe rund vierzig geflüchtete Menschen. Einige davon kommen regelmäßig, andere, wenn ein Problem ansteht oder wenn wir beispielsweise Mithilfe bei unserem Pfarrfest oder Unterstützung beim Reinigen und Ausräumen nach dem Hochwasser im Mai benötigen.”

Rund 50 Mitglieder hat die Kolpingsfamilie in Barmen. Auch in der benachbarten Antonius-Gemeinde sind die Kolpingbrüder und -schwestern aktiv. Jeden ersten Sonntag im Monat kommen die Messdiener im Gottesdienst aus der Kolpingsfamilie Barmen. Und da ist es natürlich für viele Mitglieder Ehrensache, auch an der Messe teilzunehmen.

Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist es aber nicht, in Barmen zu wohnen oder in der katholischen Kirche zu sein. Sowohl Lothar Dröse als auch Klaus Wigand wohnen in Elberfeld. Während Lothar Dröse früher in Barmen wohnte und daher den Bezug zur dortigen Kolpingsfamilie fand, interessierte sich Klaus Wigand auf ganz anderem Wege für die Gemeinschaft: Von Haus aus ist er evangelisch, doch sechs seiner sieben Kinder sind katholisch. So kam er bei Messfeiern in der Barmer St. Antonius-Kirche mit der dort angesiedelten Kolpingsfamilie in Berührung. Überzeugt von dem sozialen Engagement, schloss er sich 2006 dem Verein an. „Ökumene wird hier gelebt”, sagt er schlicht.

Wie viele Vereine mit Tradition hat auch die Kolpingsfamilie Barmen ein Nachwuchsproblem. Doch die Aktiven setzen ihre Hoffnung auf eine engagierte Jugendgruppe. Die 'Jugend' reicht bei Kolping  s bis zum Alter von 35 Jahren. Das kommt daher, dass die Organisation früher vorsah, dass im 'Jung-Kolping' diejenigen Handwerker waren, die noch nicht die Meisterprüfung ablegt hatten. Damals wurden auch noch keine Frauen aufgenommen. Sie sind erst seit 1966 aufnahmeberechtigt.

Nach wie vor sieht die Kolpingsfamilie Barmen sich für die Jugend im Einsatz. Hatte Adolph Kolping seine Wohnhäuser für Gesellen auf der Walz gegründet, treten seine Nachfolger in diese Tradition ein und haben ein Jugend-Wohnhaus für Studenten und junge Leute in der Aus- und Weiterbildung. Etwa 65 Bewohner hat das Kolpinghaus an der Bernhard-Letterhaus-Straße in Barmen. Die meisten Mieter sind inzwischen allerdings keine Handwerksgesellen, sondern Studenten.

Bis zum zweiten Weltkrieg stand das Kolpinghaus in der Gewerbeschulstraße. Doch dann fiel es einem Bombenangriff zum Opfer. 1954 erfolgte dann die Grundsteinlegung für das neue Kolpinghaus am Unterdörnen / Ecke Bernhard-Letterhaus-Straße. 40 Jahre später begann die Planung eines Umbaus als Wohnhaus für junge Menschen in Aus- und Weiterbildung. Ganz im Sinne Adolph Kolpings, der sich immer wieder auch für Wohnheime für seine Gesellen und auch die Arbeiter in Industriegebieten einsetzte.

 

Der katholische Priester Adolph Kolping (1813-1865) wurde 1847 in Elberfeld zum zweiten Präses des im Jahr davor von Johann Gregor Breuer (1820–1897) gegründeten katholischen Gesellenvereins gewählt.

Von der Idee dieses Gesellenverein begeistert und durchdrungen, lässt er sich 1849 nach Köln versetzen, um am Bischofssitz noch intensiver dafür werben zu können. Nach Vereinsgründungen in Köln und Düsseldorf schließen diese sich 1850 mit dem Elberfelder Verein zum „Rheinischen Gesellenbund“ zusammen und bildeten so die Grundlage des heutigen Kolpingwerks.

Kolping wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater war Lohnschäfer und der Sohn hatte vier Geschwister. Zunächst besuchte er die Volksschule und begann mit zwölf Jahren eine Schuhmacherlehre. Auf der für Handwerksgesellen obligatorischen Wanderschaft lernte Kolping die oft unwürdigen Bedingungen kennen, unter denen die Handwerksburschen auf der 'Walz' leben mussten. Noch extremer waren die Bedingungen in den damals rapide wachsenden Städten der frühen Industrie, zu denen neben Berlin auch Elberfeld und Barmen gehörten. Viele junge Männer gerieten mangels sozialer Kontrolle unter die Räder. Hier wurde der Grundstock für Kolpings späteren sozialen Einsatz als Pfarrer schon gelegt.

Heute ist das Kolpingwerk ist ein internationaler, katholischer Sozialverband, der als Verein eingetragen ist. 1850 schlossen sich die ersten dieser Vereine zu einem Verband zusammen, der seit 1935 ‚Kolpingwerk‘ heißt. Rund 2.700 Kolpingsfamilien (bitte immer mit 's' in der Mitte!) gibt es weltweit., in Deutschland sind es mehr als 250. Allein in Wuppertal gibt es sieben Familien. Die Kolpingsfamilie in Wuppertal-Barmen wurde 1854 gegründet und ist damit im heutigen Wuppertal die zweitälteste Familie. Rund 50 Mitglieder sind hier organisiert.

Ruth Hoffmann

Der Artikel ist ein Beitrag der Zeitschrift: Wunderbarmen 4/2018, S. 12-13.

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