Klick zu Himmelfahrt: Nur Mut!

May 20, 2020
Christi Himmelfahrt: In manchen Kirchen wird an diesem Hochfest die Osterkerze gelöscht, als sichtbares Zeichen dafür, dass Christus in den Himmel aufgefahren ist. Doch für viele Menschen ist Christi Himmelfahrt ein traditioneller Ausflugstag. Väter ziehen los, mit oder ohne Bollerwagen. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Was hätte Kolpingschwester Sabine Terlau heute gemacht? Wir haben sie gefragt.

Ich hätte heute meinen 93jährigen dementen Vater im Seniorenheim besucht. Das geht leider nicht, meine Stunde Besuchszeit pro Woche habe ich schon verbraucht. Aber wie erklärt man alten Menschen, dass sie ihre Liebsten nur kurz, durch eine Scheibe oder gar nicht sehen dürfen? Mein Vater versteht die Welt nicht mehr. – Die Pandemie verursacht Leid und große Not in so vielen Facetten, in vielen Familien, weltweit.

Wie ist die Lage in den Kolpingsfamilien?

Die Kolpingsfamilien sind familienhafte Gemeinschaften. Auch hier wurden Begegnungen und Aktivitäten stark heruntergefahren, aus berechtigter Sorge um Ansteckung und aus Verantwortung für unsere Mitglieder. Das trifft uns tief – denn Gemeinschaft macht uns aus.

Muss das so sein? 

Nein! Es geht wieder mehr, als man denkt. Man kann sich an die Regeln halten und sich trotzdem sehen – mit Vorsicht, Augenmaß und Abstand. Wenn wir die Hygiene- und Abstandsregeln einhalten, dürfen wir sogar unsere Bildungsangebote fortsetzen. Seit dem 11. Mai gilt: dabei dürfen sich nicht mehr als 100 Personen in einem Raum aufhalten. Aber so große Versammlungen haben die Kolpingsfamilien eher selten.

Welche Vorgaben gibt es für die Gremienarbeit? 

Da haben wir Klarheit: Gewählte Mitglieder bleiben so lange im Amt, bis das Gremium sich wieder treffen kann. Diese Treffen können auch digital stattfinden. Wer auf diesem Weg nicht teilnimmt, kann vorab seine Stimme schriftlich oder per Mail abgeben. Aber wir haben keinen Zeitdruck! Gesundheitsschutz geht vor: Wir sind angehalten, vorsichtig zu handeln. Wir müssen keine Versammlungen abzuhalten, um der Form zu genügen und dabei in Kauf zu nehmen, Risikogruppen zu gefährden!

Was können Kolpingsfamilien konkret tun? 

Manche Kolpingsfamilien haben sich auf digitalen Plattformen getroffen, Webinare angeboten und Andachten gehalten. Aber die Tendenz bei älteren Mitgliedern geht eher dahin, dass man den persönlichen Kontakt vorzieht.

Was ist bei Treffen zu beachten? 

Wir können uns im kleinen Kreis treffen, am besten im Freien. Wenn man die Möglichkeit hat, in einem Garten zu sitzen, bietet ein Tisch in der Mitte einen guten Abstandshalter. Zum Nachbarn sollte man mindestens 1,5 Meter Abstand halten. Man kann auch gemeinsam in Zweier- und Dreiergrüppchen spazieren gehen. So kann man auch Menschen im Rollstuhl und mit Rollator einbinden. Wer möchte, trägt einen Mundschutz. Auf der Toilette sollten Handtücher nur ein Mal benutzt werden. Idealerweise sollte Desinfektionsmittel bereitgestellt werden.

Was geht nicht? 

Begrüßung mit Handschlag oder Umarmungen. Man sollte auf jeden nahen Kontakt verzichten, auch wenn es schwerfällt. Das Land NRW hat den Slogan herausgebracht: „Mit der Stärke jedes Einzelnen schwächen wir das Virus.“ Genauso ist es. Kolping steht für Solidarität – und das bedeutet, durch Distanz Rücksicht zu nehmen.

Manche Kolpingsfamilien trauen sich noch keine Veranstaltung zu. 

Dafür habe ich Verständnis! Das wichtigste ist, dass wir als Sozialverband in dieser Krise zeigen, dass wir niemanden zurücklassen. Wir kennen doch die barmherzigen Tugenden: Hungrige speisen, Dürstenden zu trinken geben, Kranke besuchen und so weiter. Ich würde diesen Tugenden noch eine hinzufügen: mit Einsamen sprechen. Das ist eine große Not unserer Zeit! Und das kann man auch per Telefon. Wenn man die Videofunktion dazu einschaltet, sieht man dazu auch ein hoffentlich freundliches Gesicht.

Das Interview führte Bettina Weise.

Tipp: Wer angerufen werden möchte, dem vermitteln wir gerne einen Kolping-Telefonengel!

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