Freitagsklick: Gedenken an Hans Katzer

Fri Feb 08 08:00:00 CET 2019
Am 31. Januar hätte der Bundesminister und Kolpingbruder Hans Katzer seinen 100. Geburtstag gefeiert. Diözesanpräses Peter Jansen sprach an seinem Grab auf dem Kölner Melatenfriedhof auf Wunsch der Familie ein Grußwort. Wir geben hier die Rede in Auszügen wieder:
Bernd Petelkau (MdL, CDU), Landesminister Karl-Josef Laumann (CDU), Marietheres Kreuz-Katzer und Diözesan- und Landespräses Peter Jansen
Bernd Petelkau (MdL, CDU), Landesminister Karl-Josef Laumann (CDU), Marietheres Kreuz-Katzer und Diözesan- und Landespräses Peter Jansen

„Schon als Kind war Hans Katzer mit Adolph Kolping und seinem Werk vertraut. Die Familie wohnte damals auf der Helenenstraße, in Sichtweite der Kolping Verbandszentrale. Sein Vater Karl Katzer war seit 1902 Verbandsgeschäftsführer der Katholischen Gesellenvereine Deutschlands und hauptamtlicher Redakteur des „Kolpingblattes“. Hans Katzer war in seiner Jugend Kölner Leiter im Bund Neudeutschland, dem Verband der Katholischen Schüler an Höheren Schulen, der ebenfalls in diesem Jahr seinen 100 Geburtstag feiert.

Zeit seines Lebens waren die Prinzipien der Katholischen Soziallehre - Personalität, Subsidiarität, Solidarität, Gemeinwohl - und sicher die später dazu gekommene Nachhaltigkeit des Tuns, für ihn keine Fremdworte. So waren sein christlicher Glaube und seine Verankerung im Evangelium Wurzeln und Handlungsstränge seiner politischen Arbeit im Nachkriegsdeutschland: in der Gewerkschaft ÖTV, als Ratsmitglied in Köln, später als Bundestagsabgeordneter der CDU im Wahlkreis Köln III, in der Arbeit in den Sozialausschüssen der CDU und dann als Minister der Bundesregierung unter den Kanzlern Ludwig Erhard und Kurt-Georg Kiesinger. Immer blieb er dabei seinen Prinzipien und als „kölscher Jung“ seiner Vaterstadt Köln  eng verbunden.

 

Ich selber bin auch Kölner, mit dem Makel der „Schäl Sick“, also für die Kölner der falschen Rheinseite, mein Vater war Malermeister mit einem eigenen kleinen Betrieb. Ich habe zwar Hans Katzer nicht persönlich kennen lernen dürfen, kann mich aber gut an politische Gespräche zu Hause am Küchentisch erinnern. Ich war sieben Jahre alt, als Hans Katzer Bundesminister wurde. Mein Vater meinte wohl, der Minister sei zu arbeitnehmerfreundlich und in der „falschen“ Partei. Das war er sicherlich nicht.

Was richtig ist, ist wohl dieses: Hans Katzer stand Zeit seines Lebens auf der Seite der Benachteiligten und der zu kurz Gekommenen. Seine Politik in der CDU war arbeitnehmerorientiert. Das 312-DM-Gesetz, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die paritätische Mitbestimmung, die Einführung eines Sozialbudgets und vieles mehr, gehen auf ihn zurück. Das war seine Umsetzung des Evangeliums und der Katholischen Soziallehre  in konkrete Politik!

Für ihn war von Anfang an klar, dass nur Gerechtigkeit Frieden schaffen kann. Gerechter Lohn, anständige Lebensbedingungen, Perspektiven für jeden Menschen werden am besten in der sozialen Marktwirtschaft verwirklicht, für die er sich zeitlebens einsetzte. Wer als Fabrikant, Wirtschaftsführer, Handwerksmeister auf der Seite des Kapitals steht, der hat Verantwortung für die ihm anvertrauten Arbeiter oder Gesellen, und ist nicht frei, zu tun und zu lassen, was er will.

Hans Katzer hat es sich mit seiner aus dem christlichen Glauben kommenden Auffassung in der Politik nicht leicht gemacht, auch nicht in seiner eigenen Partei. Er hat seine Verantwortung sehr ernst genommen. Er hat für die Umsetzung der kirchlichen Soziallehre in Realpolitik gekämpft und hat viel erreicht. Er war der bedeutendste Minister der ersten Großen Koalition, neben Strauß und Schiller. So gehört er zu den Großen in der Nachkriegspolitik der Bundesrepublik Deutschland. Wir haben ihm viel zu verdanken als Christ, Kolpingbruder und Politiker. Er bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Impulsgeber für das Deutsche Kolpingwerk und in der deutschen Politik.“

Text: Kolpingwerk DV Köln/bw

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