Familienbund Kolping Köln: "Familienrecht auf der Höhe der Zeit?"

Apr 12, 2019
"Familie wird heute bunt und vielfältig gelebt! Aber wie gestalten wir den rechtlichen Rahmen dafür? Das ist für uns als Familienbund ein wichtiges Thema!" Mit diesen Worten begrüßte Leonore Overberg am 2. April fast 30 Interessierte zu einem Vortrag von Professor Dr. Rolf Jox im Domforum in Köln. Thema des Abends war: "Familienrecht auf der Höhe der Zeit? Rechtliche, soziale und biologische Elternschaft".

„Familie wird heute bunt und vielfältig gelebt! Aber wie gestalten wir den rechtlichen Rahmen dafür? Das ist für uns als Familienbund ein wichtiges Thema!“ Mit diesen Worten begrüßte Leonore Overberg am 2. April fast 30 Interessierte zu einem Vortrag von Professor Dr. Rolf Jox im Domforum in Köln. Thema des Abends war: „Familienrecht auf der Höhe der Zeit? Rechtliche, soziale und biologische Elternschaft“.
„Auch wenn Menschen soziale Eltern eines Kindes sind, sich um ein Kind kümmern und es aufziehen, heißt das noch nicht, dass sie rechtlich Eltern eines Kindes sind“, so Professor Jox. Und das hat – nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch - weit reichende Folgen für das Sorgerecht, Umgangsrecht, Namensrecht, Unterhaltsrecht und Erbrecht.
„Die Reproduktionsmedizin ermöglicht eine Vielfalt an Familienformen, für die es bislang noch keine klare juristische Grundlage gibt“, sagte Rolf Jox. Kinder können sowohl in einer Verbindung von Mann und Frau gezeugt werden als auch von gleichgeschlechtlichen Ehepartnern adoptiert oder durch eine Samen-, Eizell- oder Embryonenspende entstehen. Die Leihmutterschaft in Deutschland allerdings bisher nicht erlaubt.

Von den vielen möglichen Konstellationen skizzierte Professor Jox eine Auswahl: die Ehe zwischen Mann und Frau, in der mit Hilfe einer Eizellen- oder Samenspende ein Kind geboren wird, die Ehe zwischen zwei Frauen, die mit einer Samenspende ein Kind bekommen, die Ehe zwischen zwei Männern, die ein Kind adoptieren bis hin zur Queer Family mit zwei Ehemännern und zwei Ehefrauen. Jede Konstellation wirft spezifische Fragen auf, die einer Klärung bedürfen. Zum Beispiel ist in einer Ehe zwischen zwei Frauen die rechtliche Stellung der „Geburtsmutter“ unstrittig. Für die Rechtsstellung der Ehepartnerin gibt es nun Überlegungen, den Begriff der „Mit-Mutter“ oder „Co-Mutter“ einzuführen. Doch welche Rechte bekommt der biologische Vater?
Für die Komplexität der neuen Familienformen gibt es verschiedene Lösungsvorschläge: Man könnte alles dabei belassen, wie es ist, und verweist auf das Adoptionsrecht. Eine andere Variante: Man vermeidet alle Anfechtungsprobleme, indem man die Abstammung nur noch genetisch bestimmt. Rolf Jox sprach sich dagegen aus: „Dann müsste bei jeder Geburt direkt ein Vaterschaftstest gemacht werden. Das halte ich für keinen guten Weg.“ Besser wäre eine Neuregelung zur Modernisierung des Familienrechts. „Aktuell liegen ein Gesetzentwurf der Grünen und ein Gesetzentwurf des Justizministeriums zur Modernisierung des Abstammungsrechts vor“, sagte Rolf Jox. „Dabei wird überlegt, eine neue Rechtsposition für die Ehepartner in gleichgeschlechtlichen Ehen zwischen zwei Frauen einzuführen: die Mit-Mutter“. Das Ziel der Gleichbehandlung homosexueller und heterosexueller Ehen müsse bei einer  Modernisierung des Abstammungsrechts berücksichtigt werden, so Jox.

Text: Bettina Weise

 

Infokasten: Der Referent Professor Dr. Rolf Jox lehrt Recht an der Katholischen Fachhochschule NRW in Köln und ist Sachbeauftragter des Ausschusses Familie und Recht beim Familienbund der Katholiken in Berlin.

 

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