Enkeltauglich Leben: Fast Fashion kommt mir nicht in die (Einkaufs-) Tüte!

May 28, 2021
Wie können wir unsere Welt nachhaltig gestalten? Wie geht Solidarität im Alltag? Was können wir konkret tun? Die Kolpinger*innen der Gruppe „Nachhaltigkeit“ diskutierten diese Fragen in ihrer Fortbildung „Enkeltauglich leben“ mit großer Leidenschaft und entwickelten konkrete Projekte und Aufgaben zur Umsetzung.

Zum Beispiel: die Gründung einer solidarischen Einkaufsgemeinschaft, besserer Wissenstransfer von Industrie und Handwerk zu Schüler*innen oder gelingende Hilfe für Geflüchtete.

Wie fair ist Mode? 

Meine Aufgabe erschien mir zunächst recht simpel: Herausfinden, welche Lieferanten für Kleidung solidarisch in ihren Lieferketten und wo ich diese Kleidung kaufen kann. Das ist gar nicht so leicht! Verschiedenste Labels und Zertifizierungen verwirren und stören die Transparenz. Welche Zertifizierung ist sinnvoll? Sind Zertifizierungen immer notwendig?  Viele Marken werben derzeit mit Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein, aber der Schein trügt. „Greenwashing“ nennt man das. Produkte werden als nachhaltig beworben und dargestellt, obwohl sie das gar nicht zwingend sind. So brüsten sich die Hersteller*innen mit vermeintlicher „Consciousness“, ohne tatsächlich große Änderungen vorzunehmen. So verbrachte ich Stunden vor dem Laptop, um zu recherchieren. Interessant war, dass bestimmte Faktoren wie Nachhaltigkeit, Tierwohl, Menschenrechte und Fair Trade oft kombiniert werden. 

Kleidung mit charmantem Clou

Es gibt eine Fülle von Anbieter*innen fairer Mode, doch nur wenige haben mich wirklich überzeugt. Eins davon ist das Modelabel „eyd“. In seinen Partnerwerkstätten in Indien und Nepal werden Frauen mit Gewalterfahrungen zu Näherinnen ausgebildet, erhalten therapeutische Unterstützung und können ihren Schulabschluss nachholen. So können sie ein selbstbestimmtes Leben führen. Die Kleidung wird aus Bio-Baumwolle und der Zellulosefaser Lyocel gefertigt. Außerdem gibt es einen kleinen Clou, den ich persönlich sehr charmant fand: Jede Näherin hat ihren eigenen, individuellen Kleidungsstempel, den sie in jedes ihrer gefertigten Produkte stempelt.

Carolin Kicker

Bei der Recherche dieser Marke kam mir ein Start-Up-Name entgegen, den ich bereits kannte. The Female Company ist ein junges Start-Up für Periodenprodukte und kooperiert mit eyd. Bei jeder Bestellung von Periodenprodukten auf ihrer Seite werden wiederverwendbare Bio-Stoffbinden an diese Frauen gespendet. Die Periode ist in Indien weitaus mehr tabuisiert als bei uns. Nachdem ich das erfuhr, schaute ich in meinen Kleiderschrank, da ich bei The Female Company schon einmal ein T-Shirt gekauft hatte. Und siehe da: Ich besitze bereits ein T-Shirt von „eyd“ – mit persönlichem Stempel der Näherin. 

Mein Fazit aus der Recherche: Es ist möglich, auch bei der Kleidung die Welt ein Stück gerechter zu gestalten. Fast Fashion kommt mir jedenfalls nicht in die Einkaufstüte! Gegen einen kleinen Konsumrausch im Second-Hand-Shop ist nichts einzuwenden. Und wenn ich mir Neuware kaufe – dann bewusst! 

Text: Carolin Kicker

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