Beiträge aus unserem Fastenkalender zur Corona-Pandemie

Mar 18, 2020
Hier veröffentlichen wir Beiträge aus unserem Fastenkalender, die sich auf die Corona-Pandemie beziehen.

24.3. | Miteinander verbunden

Das aktuelle Synonym für Solidarität ist Abstand halten. Das klingt absurd, ist aber das einzige, was den Anstieg der Infektionszahlen verzögern und eine Überlastung unserer Gesundheitssysteme verhindert kann. Die Bilder und Nachrichten aus Italien machen mir Angst, überlastetes medizinisches Personal, zu wenig Betten auf den Intensivstationen, fehlende Schutzkleidung …

Dieses Abstand halten bedeutet auch weniger Sozialkontakte. Das macht einsam. Das erlebe ich schon, wenn ich im Homeoffice bin – der persönliche Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen fehlt. Wieviel schlimmer trifft es die allein Lebenden und auf Hilfe angewiesenen Menschen?

Und dann höre ich von so vielen solidarischen Aktivitäten: Nachbarn, Verbände und Vereine bieten Einkaufsdienste an, jeden Abend um 21.00 Uhr stehen Menschen an ihren Fenstern und klatschen für diejenigen, die für uns in Krankenhäusern, Altenheimen, Supermärkten ihrer Arbeit nachgehen.

Für mich ist diese Fastenzeit seltsam anders. Die sonst so zahlreichen Fastengedanken sind Nachrichten über die Pandemie gewichen. In unseren Kirchen und Gemeinschaften nehme ich eine wahnsinnige Kreativität wahr. Es werden Wortgottesfeiern für zu Hause veröffentlicht, Gottesdienste werden per Video übertragen, gemeinsames Glockenläuten aller Kirchen verbindet die Menschen im Gebet, es werden Telefondienste und -ketten eingerichtet. Die virtuelle Verbundenheit stützt mich diesen Tagen und lässt mich hoffen. Das wünsche ich auch Ihnen. Bleiben Sie gesund!

Tobias Kanngießer, Köln

20.3. | Gebet in der Corona-Krise

Herr, Du Gott des Lebens,

betroffen von der Corona-Epidemie kommen wir zu Dir.

Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist

und bitten um Heilung für alle Erkrankten.

Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.

Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.

 

Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,

und allen Pflegenden Kraft in ihrer extremen Belastung.

Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.

Dankbar beten wir für alle, die mit ihren vielfältigen Diensten

die Versorgung und Sicherheit unseres Landes aufrechterhalten.

Wir beten für alle, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden.

 

Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden erleiden oder befürchten.

Besonders denken wir an Personen und Orte, die unter Quarantäne stehen,

und an alle, die sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben.

Heiliger Geist tröste die alten und pflegebedürftigen Menschen,

berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit,

dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.

 

Von ganzem Herzen bitten wir, dass die medizinischen Einrichtungen

auch weiterhin den übermäßigen Anforderungen entsprechen können.

Wir beten, dass die Zahl der Infizierten und Erkrankten abnimmt

und hoffen auf eine baldige Rückkehr zur vertrauten Normalität.

Sehnsuchtsvoll bitten wir um eine weltweite Eindämmung der Krankheit.

 

Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen.

Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.

Wir sind sterbliche Wesen und müssen unsere Grenzen akzeptieren.

Du allein bist ewig, Ursprung und Ziel von allem – immer liebend.

Gemeinsam und im Vertrauen auf Deine Hilfe werden wir die Krise bestehen.

Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen,

Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht

und macht uns offen füreinander – aufmerksam und achtsam.

Dein Herz ist gütig und demütig, eine erfrischende Quelle des Friedens.

Jesus, wir vertrauen auf Dich!

Heilige Maria, Mutter unseres Herrn, und alle heiligen Frauen und Männer,

Nothelfer und Schutzpatrone unseres Landes, bittet für uns!

Amen.

 

Gebet von Bischof Hermann Glettler, Diözese Innsbruck

 

Mit freundlicher Genehmigung der Diözese Innsbruck.

 

 

17.3. | Innehalten

Die Ereignisse überschlagen sich im Moment. Abends ist die Situation sehr viel anders, als sie noch am Morgen war. Die Regierungen und Verantwortlichen in den Staaten, Ländern, Kreisen und Kommunen eilen von einer Krisensitzung zur nächsten Pressekonferenz. Beim Hören der Nachrichten wird gefühlt jedes Mal eine neue Maßnahme verkündet.

Die Bedrohung durch das Corona-Virus ist allgegenwärtig und hat auch meinen Alltag erreicht, ja hat ihn sogar fest im Griff. Gottesdienste finden nicht statt, Museen sind geschlossen, Bars dürfen nicht öffnen, in Supermärkten sind Regale leer gekauft, im Büro sollte jeden Tag nur ein Mitarbeiter sein. Die Liste könnte ich unendlich fortsetzen.

Und dabei wissen wir gar nicht, was genau auf uns zukommt. Meine Hoffnung ist, dass alle diese Maßnahmen greifen, dass wir auf diese Weise die Ausbreitung des Virus‘ eindämmen. Ich vertraue auf die Vernunft der Menschen, dass sie sich an die Vorgaben halten, nicht zu unnötigen und irrationalen Handlungen übergehen. Ich hoffe auf eine Solidarität meiner Nachbarn mit denen, die nicht einkaufen gehen können, mit den Menschen im Gesundheitssystem. So kann jeder seinen Teil zum Gelingen beitragen.

In den sozialen Medien gibt es viele Ideen zur 30-Sekunden-Regelung beim Händewaschen, eine davon ist, ein Vaterunser zu beten. Gute Idee! Habe ich seitdem ich das gelesen habe, immer gemacht. Und dabei denke ich an die, die von der Krise besonders betroffen sind: Pflegepersonal, Ärzte, Risikogruppen, Panikkäufer, Wirte, Künstler, …

Dieses Gebet beruhigt mich, lässt mich innehalten, nimmt mir Angst, verbindet meinen Glauben mit meinem (eingeschränkten) Alltag.

Bleiben Sie gesund!

Tobias Kanngießer

Zurück