Freitagsklick zum Thementag 2018: Himmel 4.0 – die Geschichte der Zukunft

Fri Jun 15 08:00:00 CEST 2018
Zukunftsfragen in den Blick zu nehmen und sich mit Vordenkern, Freidenkern und Querdenkern zu vernetzen - dafür steht der Kolping-Thementag. Am 9. Juni kamen über 70 Gäste in die alte Franziskanerkirche in der Kölner Südstadt, um sich mit den Thesen von Erik Händeler zum "Himmel 4.0" zu beschäftigen. 

Unternehmenskultur bestimmt den Erfolg

„Wie die digitale Revolution zur Chance für das Evangelium wird“ – so lautete der Untertitel der Veranstaltung. „Uns wird die Arbeit in der Zukunft nicht ausgehen! Aber die Technik verändert die Machtverhältnisse in einer Gesellschaft!“, meinte Händeler. Im historischen Rückblick entstanden Innovationen immer wegen einer Knappheit. „Fragen Sie Unternehmer, was ihre größte Knappheit ist! Die Antwort lautet meistens: Ich finde nicht die Leute, die ich für mein Unternehmen brauche“, so Händeler. Wenn Spezialisten und Fachleute das wirtschaftlich knappste Gut sind, dann ändere sich zwangsläufig auch die Unternehmenskultur  – schließlich hängt davon der wirtschaftliche Erfolg und unser aller Wohlstand ab.

Gesundheit - der ökonomische Flaschenhals

Händeler stellte fest: „Früher gab es mehr Wohlstand durch mehr Technik. Doch die Arbeit wandelt sich! Es entsteht Gedankenarbeit: Planen, Entwickeln, Organisieren, Probleme lösen. In der gedachten Welt gibt es keine Grenzen des Wirtschaftswachstums. Bei der Wissensarbeit hängt der Wohlstand nicht davon ab, dass wir noch härter arbeiten, sondern Wissen einordnen können!“

„Das Evangelium kann sich jetzt erst entfalten!

In der Wissensgesellschaft müssen ungeheure Mengen an Daten und Informationen verarbeitet werden. „Das gelingt nur durch offene Kommunikation, flache Hierarchien und gute Zusammenarbeit. Deshalb brauchen wir eine neue Streitkultur!“, so Erik Händeler. Dabei könne man es sich nicht mehr leisten, Menschen schon mit Mitte 50 in Rente zu schicken. „Der Mangel an Gesundheit ist der ökonomische Flaschenhals, der uns zu Veränderungen zwingt. Wenn psychische Erkrankungen wie das Burn-Out zunehmen, dann beeinflussen die seelischen Schichten die Produktivität eines Unternehmens. Was den Menschen ausmacht, gerät ins Zentrum. Deshalb glaube ich, dass das Evangelium sich jetzt erst entfalten kann!“

Eine neue Streitkultur für die Kirche!

Der Soziologe Max Weber hat herausgefunden, dass Protestanten im geschichtlichen Rückblick wirtschaftlich erfolgreicher waren als Katholiken. „Der Fokus der Katholiken lag auf dem „Schatz im Himmel“, die Protestanten wollten mitgestalten. Selber die Bibel zu lesen, hat die Protestanten produktiver gemacht!“, so Händeler.

Ähnlich verhalte es sich mit der Wirtschaft: Alle Produktionsfaktoren sind weltweit verfügbar. Aber der Umgang mit Wissen unterscheidet sich. „Die Streitkultur macht den wirtschaftlichen Unterscheid aus. Lesen Sie das Evangelium einmal unter diesem Stichwort! Zum Beispiel: ‚Hast du Streit mit deinem Bruder, dann geh hin und kläre das mit ihm!‘ Wir müssen uns auch als Kirche neu zusammenraufen! Es kann sein, dass Gott eine andere Kirche will. Wir haben eine Zukunft, wenn wir uns neu erfinden und an den Nöten der Zeit orientieren.“

Viele Rückfragen, viele Anmerkungen aus dem Publikum zeigten, dass der Referent einen Nerv getroffen hatte.

Diskussionen bei Finger Food des Kolping-Catering

Dem „kulinarischen Himmel 4.0“ kamen die Gäste im Anschluss im idyllischen Innenhof der alten Klosteranlage nahe. Hier servierten Jugendliche des Kolping-Caterings köstliches Fingerfood. Die Veranstalter Martin Rose (Kolpingwerk DV Köln) und Günther Herberhold (Kolping-Bildungswerk Köln) zeigten sich sehr zufrieden mit dem Verlauf des Thementages. „Wir wollen durch den Thementag Impulse setzen, die in die Gesellschaft hineinwirken und Denkräume öffnen, die über die Tagespolitik hinausgehen. Das ist uns heute erneut gelungen!“, sagte Martin Rose.

Text: Kolpingwerk und Kolping-Bildungswerk Diözesanverband Köln/bw

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